Anonymous-Aktivist*innen mobilisieren gegen die Sicherheitskonferenz

Am Samstag Nachmittag hat eine kleine Anonymous-Gruppe der Independent Anons eine Aktion gegen die Münchner Sicherheitskonferenz und gegen die NATO veranstaltet. Die Aktivist*innen spielten ein kleines Theaterstück und verteilten einige Flyer.

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Foto: Alexander Pohl

Independent Anons

Die Independent Anons (IA) sind Teil der globalen Anonymous Bewegung. Diese wurde vor allem durch ihre Hacks und Aktionen im Internet bekannt. Zu Beginn konzentrierten sich die Anonymous-Aktivist*innen beispielsweise auf Scientology oder die Westboro Baptist Church, die sich unter anderem bei Gott für Hitler bedankte, weil dieser die „Schwuchteln“ ermordet hat.

Die IA ist eine in Deutschland entstandene Gruppierung, die mittlerweile in verschiedenen deutschen Städten agiert. Ihre wichtigsten Aktionen sind z.B. der jährliche Million Mask March, eine von Anonymous organisierte Protestdemo, die in London zehntausende auf die Straße bringt. Im Winter veranstalten die Aktivist*innen immer häufiger die #OpSafeWinter. In dieser verteilen die Anons Kleidung, warmen Tee und heiße Suppe an Obdachlose.

Die Aktion gegen die SiKo

Mit ihrem Theaterstück wurde es nach drei erfolgreichen Münchner #OpSafeWinters wieder politisch. Die IA-Aktivist*innen sagen von der Aktion selber, sie sei unpolitisch und nur für den Frieden. Die Anons spielten im Laufe des Nachmittags einige Male ein Theaterstück vor, welches die Rolle der NATO in Syrien symbolisieren sollte.

In dem Stück fesselt die NATO Syrien „nur in seinem Interesse“ und meint es vermeintlich „gut“. Syrien wehrt sich dagegen und schreit um Hilfe. Dabei beklagt Syrien auch seine Toten. Das alles passiert im Rücken von „schlafenden“ fernsehenden Menschen. Diese werden durch Anonymous Aktivist*innen „aufgeweckt“ und bezwingen dann gemeinsam mit Syrien die NATO. Somit wird auch Syrien befreit und die NATO wird gefesselt. Während dem Theaterstück sprach ein anderer Aktivist mit dem Megafon zu den Massen und erklärte einige Dinge zur NATO.

Die Gruppe kritisiert das globale militärische Eingreifen der NATO-Staaten unter der Führung der USA. Laut Aktivist*innen hat die NATO in 13 Länder militärisch interveniert. Das stimmt so nicht ganz, denn die NATO interveniert nur im Bündnisfall. Das war beispielsweise in Afghanistan der Fall. In den großen Kriegen sind zwar viele NATO-Staaten beteiligt, aber nicht im Rahmen der NATO. So ist das auch in Syrien.

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Foto: Alexander Pohl

Sicherheitskonferenz

Die Sicherheitskonferenz ist eine der größten internationalen Treffen von Diplomat*innen, Militärs, Minister*innen, Staats- und Regierungschefs unter anderem mit Rüstungsproduzenten. Diese private Veranstaltung findet seit Jahrzehnten im Münchner Hotel ‚Bayerischer Hof‘ statt. Früher hieß sie Wehrkundetagung. Die Sicherheitskonferenz bietet den Rüstungslobbyist*innen die Möglichkeit mit Diplomat*innen vieler verschiedener Länder in Kontakt zu treten. Aber auch eher verfeindete Länder können im Rahmen der SiKo bilaterale Gespräche führen. Das heißt Vertreter*innen verschiedener Länder sprechen miteinander.

Seit mehr als 20 Jahren finden immer vermehrt Proteste statt. In den letzten Jahren hat es sich etabliert, dass der Tagungsort symbolisch umzingelt wird. Genauso wird es dieses Jahr sein. Es wird am 17. Februar beginnend vom Stachus über den Lenbachplatz und Odeonsplatz zum Marienplatz demonstriert. Zeitgleich wird es eine Menschenkette über die Fußgängerzone zum Marienplatz geben. Wenn die beiden Proteste zusammengelaufen sein werden, gibt es eine Abschlusskundgebung. Auf dieser wird unter anderem der Rüstungskritiker Jürgen Grässlin sprechen.

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Anonymous-Aktivist*innen veranstalten StreetOp in München

Mehr als ein Dutzend Anonymous-Aktivist*innen haben am Sonntag an Gleis 11 direkt neben der Bahnhofsmission an Obdachlose und bedürftige Menschen Suppe, warmen Tee und Kleidung verteilt. Mit einigen Obdachlosen haben die Anons auch ein paar Worte gewechselt. Viele Obdachlose in München sind Rumänen, Bulgaren oder stammen aus anderen osteuropäischen Ländern. Dadurch ist die Kommunikation oft schwer. Dennoch konnte man sich zumindest mit Händen und Füßen oder durch einzelne Worte verständigen.

#OpSafeWinter

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Eine Aktivistin verteilt Suppe an einen Obdachlosen. Foto: Alexander Pohl

StreetOps sind Operationen von Anonymous, die seit einigen Jahren von den Aktivist*innen durchgeführt werden. Seit zwei Wintern auch in Deutschland. In München war es dieses Jahr die dritte und vorerst letzte StreetOp. Die auf der Straße äußerst aktive Gruppe Independent Anons veranstaltet noch verschiedene StreetOps im Rahmen der OpSafeWinter in ganz Deutschland. Berlin, Hannover, Chemnitz, Bochum und Stuttgart stehen als feste Orte für weitere Aktionen der #OpSafeWinter schon fest.

Bedürftige sind häufig sehr sozial

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Obdachlose suchen sich Kleidung raus. Foto: Alexander Pohl

Viele Bedürftige sind oft so sozial eingestellt, dass sie teilweise recht schüchtern vorgehen und wirklich sehr lieb fragen: „Kann ich das haben?“, „Könnte ich bitte auch eine Suppe haben.“ Häufig haben die Aktivist*innen den Obdachlosen noch Konserven oder ähnliches angeboten, diese haben dann aber dankend und sehr bescheiden abgelehnt.

Vorsicht vor Banden

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Es gab einen großen Ansturm am Stand der IA. Foto: Alexander Pohl

Wer Obdachlosen hilft, wird früher oder später auch auf eine Art Banden treffen, die auch sehr arm sind und betteln müssen, denen es jedoch verglichen mit anderen Obdachlosen ein wenig besser geht. Diese nehmen sich dann bei der Kleidung alles mögliche raus, was ihnen gefallen könnte. Die Kleidung horten sie dann teilweise in großen Plastiktüten. Teilweise konnten sie entfernt werden, teilweise nicht. Es kam gestern auch vor, dass dann auch teilweise Kleidungsstücke weiterverkauft wurde. Ein Helfer der Bahnhofsmission sagte dazu: „Was soll man denn machen?“ Es ist schwer derartiges zu verhindern. In Zukunft kann man sich die Gesichter merken und die Leute ausschließen. Im Endeffekt sind aber auch diese Menschen bedürftig. Zum Glück haben aber so ziemlich alle die Kleidung bekommen, die sie tatsächlich auch gebraucht haben.

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Ein Obdachloser post mit den Aktivist*innen der StreetOps. Foto: Alexander Pohl

Die IA München werden in nächster Zukunft eine Aktion gegen die Münchner Sicherheitskonferenz durchführen. Außerdem werden sicherlich einige weitere Aktionen der Independent Anons in München und anderswo stattfinden.